Rede von Casino-Direktor Hans-Jörg Assenmacher

Rede von Casino-Direktor Hans-Jörg Assenmacher zum 200. Gründertag am 6. Januar 2008 im Stadttheater Koblenz

Wir begannen mit für ein Gründungsfest der Casinogesellschaft ungewöhnlichen Tönen. "Dat is Kowelenz" ist eine Liebeserklärung an Koblenz in zeitgemäßem Gewand und zeigt, dass auch Liebeserklärungen sich mit der Zeit in ihrer äußeren Form wandeln, aber der Kern überdauert.

Ich glaube nicht, dass die Gründer des Casino zu Coblenz 1808 ahnten, dass sie den Grundstein für eine Erfolggeschichte für Koblenz legten.

Im Jahreswechsel 1807/ 1808 wurde unsere Gesellschaft aus der Taufe gehoben und mit 90 Gründungsmitgliedern am 6. Januar 1808 offiziell gegründet. Die damalige Zeit ist mit nahezu nichts mit heute zu vergleichen und doch ist es im Kern noch das Casino zu Coblenz unserer Gründer.

Das 18. Jahrhundert klang geistesgeschichtlich mit der Aufklärung und Romantik aus und brachte Europa mit der französischen Revolution einen politischen Umbruch, der Aufbruch in eine neue Zeit war.

Koblenz hatte sich mit der Fertigstellung des neuen Koblenzer Schlosses 1786 und der damit einhergehenden Entwicklung der Neustadt auf eine Zukunft als Residenzstadt eingestellt, die eine herausgehobene Stellung und Wohlstand versprach. Zeugnis hierfür ist auch unser Theater, dass 1787 eröffnet wurde und heute zu den ältesten Theatern Deutschlands zählt.

Im Oktober 1794 jedoch musste  der letzte in Koblenz residierende Kurfürst von Trier, Clemens Wenzeslaus die Stadt verlassen. Die französischen Revolutionstruppen übernahmen Koblenz, dass schwerste Jahre zu durchleben hatte. Der Aufenthalt Napoleons in Koblenz 1804 bestätigte den Herrschaftsanspruch am Rhein.

Es spricht für die bürgerlichen Kräfte der Stadt, die 1807 den Impuls zur Gründung des Casino zu Coblenz gaben. Am 10. Dezember 1807 kam eine Anzahl Koblenzer Bürger im Hause des Handelsmannes Friedrich Korn zusammen, um die Gründung eines geselligen Vereins zu beraten und einen Fünfer-Ausschuss zur Ausarbeitung einer Satzung zu wählen. Wenige Tage später besuchten 90 Bürger die Versammlung, die die Vorlage billigten mit der Maßgabe, dass diese " noch anderen als rechtlich und gebildeten Einwohnern von Coblenz zum Beitritt vorgelegt würde ".Anfang Januar wählte die erste Mitgliederversammlung ihre Direktion.

Der ersten Direktion gehörten der Anwalt Korbach, der Handelsmann Korn, der Privatmann Jean Claude Lassaulx, der Professor der Rechtsschule Franz de Lassaulx, der Anwalt Krezzer und als Kassierer der Handelsmann Pfender an. Die erste Mitgliederliste zählt auf: 49 Kaufleute und Privatpersonen, 29 Juristen, Ärzte und Lehrer, 10 Verwaltungsbeamte und 2 Geistliche. Es handelte sich um 84 Deutsche und 6 Franzosen. Auf diese Gründung geht zurück, dass das Casino zu Coblenz den Stern des Dreikönigstages in seinem Emblem führt und das Gründungsdatum mit dem 6. Januar fest verbunden ist.

Der zur Zeit der Gründung der Casinogesellschaft im Amt befindliche französische Präfekt Comte de Lezay-Marnesia begleitete fördernd die Gründung der Gesellschaft, wurde deren erstes Ehrenmitglied und überließ die endgültige Genehmigung der Vereinigung seinem Nachfolger.

In der Folgezeit entwickelte sich das Casino zu Coblenz im Sinne seiner Gründer zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt im Leben von Koblenz. Einer ihrer Kernsätze aus dieser Zeit lautete: Es besteht die Verpflichtung der Direktion, dass in der Gesellschaft Freyheit , Urbanität und Eintracht herrsche. Damit war nicht nur eine liberale Grundhaltung vorgegeben, die geeignet war, die positive Entwicklung von Koblenz als Sitz der Regierung der preussischen Rheinprovinz zu begleiten und Koblenz seine eigene Identität zu bewahren. es handelt sich dabei auch um den Kern, der bis heute unser Handeln in und für das casino bestimmt.

Stolz war man in der Casinogesellschaft des 19. Jahrhunderts auch darauf, dass die in Koblenz weilenden Mitglieder des preussischen Königshauses gerne an den Veranstaltungen der Gesellschaft teilnahmen. Zeugnis hierfür ist das noch immer im Eigentum der Gesellschaft stehende Bildnis der Kaiserin Augusta, das diese der Gesellschaft in Erinnerung an die Stunden im Casino zum Geschenk machte.

Für die preussische Zeit stehen auch große Namen in dieser Stadt. Allen voran möchte ich Joseph Görres nennen, der Mitglied der Casinogesellschaft war.

1816 erwarb das Casino sein Gebäude in der heutigen Casinostraße, dass zu einem Mittelpunkt im Leben von Koblenz wurde. Es musste mehrfach erweitert werden und war zuletzt ein stattlicher klassizistischer Bau von 73 m Länge in der Casinostraße. Das Gebäude verfügte über alle notwendigen Räume, wie Gesellschaftsräume für die zahlreichen Stammtische, Billard-, Schach- und Kartenspielräume im Erdgeschoss, diverse Festsäle im Obergeschoß, große Lesesäle zur Magazinstraße, mit Musikpavillon, Sommersäle, einem Garten mit altem Baumbestand und Springbrunnenanlage. ( Wir befinden bei diesem teil der Schilderung gerade auf dem heutigen Zentralplatz).

Aber alles unterliegt dem Wandel. Mit dem Zusammenbruch 1918 folgten Jahre der amerikanischen Besatzung von Koblenz, die der Koblenzer Joseph Breitbach in einem seiner Werke eindrucksvoll beschrieb. Am 29. Dezember 1918 beschlagnahmten die Amerikaner das gesamte Casinogebäude, und gaben dieses in Etappen bis auf einige Räumlichkeiten später wieder frei. Die Amerikaner übergaben die ihnen verbliebenen Räume den Franzosen, bis diese 1929 Koblenz und das Rheinland wieder verließen.

Koblenz und das Casino erlebten die schwierigen Jahre der Weimarer Republik denen das traurigste kapitel deutscher Geschichte folgte.

Es galt noch unverändert der bürgerlich formulierte Anspruch von Freiheit, Urbanität und Eintracht, was nicht in diese dunklen Jahre passte. Dies gipfelte in der Feststellung des Gauleiters, der Casinogeist müsse verschwinden. Auch unser Casino zu Coblenz wurde gleichgeschaltet. Die Satzung außer Kraft gesetzt. Eine Direktion wurde von außen installiert, die auch Mitglieder ausschloss. Das Casinogebäude wurde in Casino Volksgemeinschaftshaus umbenannt.

Die Luftangriffe vom 19. Juli und 6. November 1944 legten das Casinogebäude in Schutt und Asche. Das geordnete Leben in der Stadt kam zum Erliegen. Am 18. März rückten die amerikanischen Truppen in Koblenz ein.

Am 24. Juni 1946 fand die erste Nachkriegsmitgliederversammlung des Casino statt, die die alte Satzung wieder einführte und eine neue Direktion wählte. Es begann die erfolgreiche Wiederaufbauarbeit – in Deutschland, in Koblenz und auch im Casino zu Coblenz.
 
Augenscheinlicher Beweis war das neue Casinogebäude, das 1957 fertig gestellt wurde, aber später wieder aufgegeben werden musste. Das gesellschaftliche Leben entwickelte sich anders als in der Vorkriegszeit und der Rückgang im Weinhandel führte zum Verlust des wirtschaftlichen Rückgrats der Gesellschaft. Auch ohne eigene Räumlichkeit entwickelte sich eine Casinogesellschaft, die heute stolz ihre Gründung vor 200 Jahren feiern kann.

Alle Höhen und Tiefen der Geschichte der Stadt und Deutschlands prägten auch die Casinogesellschaft. Es ist dem Engagement von Koblenzer Bürgern über 200 Jahre hinweg zu verdanken, dass es gelungen ist, die Gesellschaft im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens von Koblenz zu halten. Dies konnte nur gelingen, weil sich die Repräsentanten der Gesellschaft dem Leitsatz der Urbanität, der Freiheit und dem gesellschaftlichen Miteinander in Koblenz verpflichtet fühlten und heute fühlen.

Meine Damen und Herren, ich konnte Ihnen heute nur einen verkürzten Überblick über 200 Jahre Casinogeschichte geben. Aber hoffentlich sichtbar wurde, dass der Wandel der Zeiten unser Leben bestimmt und prägt. Im Namen der Direktion darf ich Sie nun zu einer literarisch-politischen Reise durch diese 200 Jahre einladen.