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Gründerfest 09

Gründungsfest 2009

Rhein-Mosel-Halle

„Deutschland ist mehr als eine Dschungelshow“

Eine neue Ernsthaftigkeit, eine Hinwendung zu Qualität, Seriosität und vor allem bürgerlichen Tugenden, diesen gesellschaftlichen Trend sieht Dr. Wolfram Weiner, Herausgeber und Chefredakteur des politischen Magazins „Cicero“ auf dem Weg.  Beim Gründungsfest 2009 des Casino zu Coblenz nahm der Journalist die Berliner Medienpolitik unter die Lupe, durchaus auch selbstkritisch und hinterfragend. Mehr als 300 aufmerksame Zuhörer sahen sich als Teil jener „Äußerlichkeitsindustrie“, bei der oft die Verpackung den Inhalt übertüncht. In seinem Vortrag unter dem Titel „Die verrückte Medienrepublik Berlin“ sieht er die politische Klasse in einem „Exil der Wirklichkeit“. „Wenn Bonn ein Treibhaus war, dann ist Berlin ein Schneller Brüter“. Wenn Talkshows zu Ersatzparlamenten werden, sei das eine schlechte Entwicklung. Eine Cicero-Umfrage unter Bundestagsabgeordneten habe ergeben, dass diese die wahre Macht im Staate bei den Medien sehen, dass ein Auftritt bei Maybritt Illner im ZDF mehr wert sei, als 20 Auftritte im Parlament. „Eigentlich ein verfassungswidriger Umstand“, so Weimer, der anprangerte, dass es in den Aussagen der Politik oft nicht um  das „was“ ginge, sondern um das „wie“ es gesagt werde. Weimer präsentierte Bilder von aktuellen Show- und Sportgrößen in Verbindung mit Fotos aktueller Nobelpreisträger. „Wer kennt wen“ hieß das ernst gemeinte Spiel, bei dem deutlich wurde, dass die „wahren  Helden der Gesellschaft“ heute nicht in der Wissenschaft zu finden sind.

Provozierend stellte er fest: Talkshow statt Parlament  - DSDS statt musizieren – Fernsehen statt Kirchgang – Internet statt Treffen mit Freunden. Die beschleunigte Mediatisierung baue eine „Welt der Metawirklichkeiten“.  In Berlin gebe es viele Milieus, aber kein Milieus des gesamten Bürgertums, also auch keine Casino-Gesellschaft wie in Koblenz. Die Tugenden der Bürgergesellschaft, die kritisch und konstruktiv den Weg des Landes begleite, nicht jedem Trend folgend, seien heute notwendig. „Ich hoffe, dass der Trend zur neuen Ernsthaftigkeit auch in Berlin greift“.