Geschichte
Über 200 Jahre bürgerliche Gesellschaft in Koblenz – von der Gründung am Dreikönigstag 1808 bis heute.
Eine traditionsreiche Gesellschaft.
Am Dreikönigstag 1808 gegründet, war und ist das Casino zu Coblenz eine Vereinigung von Bürgern, die damit ihren besonderen Bezug zum gesellschaftlichen Leben in Koblenz zum Ausdruck bringen. Das Casino zu Coblenz stand und steht in der Tradition des liberalen städtischen Bürgertums.
Es war Gründungsgedanke, eine Gesellschaft ins Leben zu rufen, die der Geselligkeit und der Information ihrer Mitglieder gewidmet ist. Daran hat sich bis heute nichts geändert: Die Mitglieder treffen sich zu geselligen Veranstaltungen ebenso wie zu Abenden, die von gesellschaftspolitischem Diskurs, Information und Wissensaustausch geprägt sind.
1808
90
70 m
~400
Durch alle Zeiten.
Das erste Zusammentreffen
Es waren unruhige Zeiten, als im Dezember 1807 Koblenzer Bürger zusammenkamen, um eine eigene Gesellschaft zu gründen. Am 10. Dezember 1807 fand das erste Treffen im Hause des Handelsmannes Friedrich Korn statt. Hieraus folgte die Erarbeitung einer Satzung.
Gründung am Dreikönigstag
Am 6. Januar 1808 wurde das Casino zu Coblenz offiziell gegründet. Die 90 Gründungsmitglieder waren 49 Kaufleute und Privatpersonen, 29 Juristen, Ärzte und Lehrer, 10 Verwaltungsbeamte und 2 Geistliche – 84 Deutsche und 6 Franzosen. Koblenz stand zu dieser Zeit unter napoleonischer Herrschaft; der französische Präfekt Comte Adrien de Laxay-Marnesia begleitete die Gründung als erstes Ehrenmitglied. Noch im selben Jahr trugen Mitglieder des Casinos die Gründung des Musikinstituts mit.
Die behördliche Genehmigung
Überraschenderweise erteilte die französische Obrigkeit die behördliche Genehmigung erst drei Jahre nach der Gründung. Bereits nach wenigen Jahren bezog die Gesellschaft ein erstes eigenes Domizil.
Das große Casinogebäude
Nach mehreren Umzügen innerhalb der Stadt errichtete die Gesellschaft ein großes klassizistisches Gebäude mit verschiedenen Veranstaltungssälen in der heutigen Casinostraße, die deshalb ihren Namen trägt. Mit einer Fassadenlänge von 70 Metern gehörte es sicherlich bundesweit zu den größten Gebäuden einer zivilen bürgerlichen Gesellschaft. Die festlichen Bälle der Gesellschaft sahen illustren Besuch – an der Spitze Mitglieder der preußischen Königsfamilie.
Nach dem Ersten Weltkrieg
Das Casinogebäude wurde in weiten Teilen von der damaligen Besatzung in Anspruch genommen, später jedoch vollständig an die Casinogesellschaft zurückgegeben.
Politisch unbequem
Entgegen vielfacher Vermutung waren die Casinogesellschaften in Deutschland – und auch das Casino zu Coblenz – für die Machthaber politisch unbequem. Die Durchdringung des Casinos gelang den Nationalsozialisten nicht. Gegen Ende der NS-Herrschaft wurde das Casino zwar gleichgeschaltet und sogar umbenannt, verlor damit aber sofort sein bürgerliches Fundament und seine Bedeutung.
Neubeginn in den Gartensälen
Das große Casinogebäude wurde im Krieg zerstört. Erhalten blieben die sogenannten Gartensäle, die etwa in der Mitte des heutigen Zentralplatzes lagen. Hier trafen sich ehemalige Mitglieder schon kurz nach dem Krieg wieder – zu ersten Tanzvergnügen, zum geselligen Beisammensein und zum gesellschaftlichen Engagement.
Ein neues Haus
Anstelle des alten Gebäudes entstand in der Casinostraße ein neues Casinogebäude. Aufgrund vielfacher gesellschaftlicher Veränderungen konnte die Gesellschaft das Haus auf Dauer nicht wirtschaftlich unterhalten. Auch auf Druck der Stadt Koblenz wurde der Grundbesitz an einen Kaufhausbetreiber veräußert, der dort Anfang der 1960er Jahre ein Kaufhaus errichtete.
Der Casinoball kehrt zurück
Auch ohne eigenes Gebäude lebt die Gesellschaft ihre Tradition weiter. Seit Anfang der 1960er Jahre veranstaltet sie wieder den Casinoball – heute der große Gesellschaftsball der Stadt, der traditionell am zweiten Freitag im Januar stattfindet.
200 Jahre Casino zu Coblenz
Das Jubiläum feierte die Gesellschaft mit einem Festakt in der Rhein-Mosel-Halle, einem besonderen Gründungsfest und der Festschrift „Durch alle Zeiten – 200 Jahre Casino“.
Traditionsreich und hochaktuell
Mit rund 400 Mitgliedern ist das Casino zu Coblenz die große bürgerliche Gesellschaft in Koblenz. In einer Zeit, in der der Dialog der Bürger untereinander wieder an Bedeutung gewinnt, versteht es sich als traditionsreiche und zugleich hochaktuelle Vereinigung.
Was das Casino prägt.
Ein Zivilcasino
Der Begriff „Casino“ stammt aus dem Italienischen und bezeichnete damals Orte der Zusammenkunft. Das Casino zu Coblenz ist keine Spielbank und kein Offizierscasino, sondern eine bürgerliche Gesellschaft.
Der Stern im Signet
Gegründet wurde die Gesellschaft am 6. Januar 1808, dem Dreikönigstag. Daran erinnert bis heute der Stern im Signet des Casino zu Coblenz.
Das Gründungsfest
Jedes Jahr im Januar feiert die Gesellschaft ihr Gründungsfest – mit namhaften Referenten wie Prof. Dr. Peter Glotz oder Dr. Joachim Gauck, dem liberalen bürgerlichen Geist verpflichtet.
Der Casinoball
Traditionell am zweiten Freitag im Januar: Der Casinoball setzt die facettenreiche Tradition der festlichen Bälle der Gesellschaft fort und ist ein gesellschaftliches Top-Ereignis in Koblenz.
Teil der Koblenzer Kultur
Gemeinsame Veranstaltungen mit Jugendtheater, Kulturfabrik, Stadttheater, Musikschule, den Koblenzer Museen und der Universität setzen eine alte Tradition fort.
Bürger im Dialog
Kaufleute, Juristen, Ärzte, Handwerker, Freiberufler, Verwaltung, Bundeswehr, Hochschule und Schule – im Casino treffen sich Menschen aus allen Bereichen der Stadt.
200 Jahre Casino zu Coblenz.
Zum 200-jährigen Bestehen blickte die Gesellschaft 2008 mit einer Reihe von Veranstaltungen auf ihre Geschichte zurück.
- Festakt in der Rhein-Mosel-Halle mit Begrüßungsrede von Casino-Direktor Hans-Jörg Assenmacher
- Grußwort von Oberbürgermeister Dr. Eberhard Schulte-Wissermann
- Gründungsfest 2008 mit der Premiere des Casino-Songs der Gruppe 4Punkt1
- Sonderseite und Beilage in der Rhein-Zeitung
„Durch alle Zeiten – 200 Jahre Casino“
Zum Jubiläum ist die Festschrift des Casino zu Coblenz erschienen – eine Chronik der Gesellschaft von der Gründung 1808 bis in die Gegenwart.
Die Geschichte geht weiter.
Rund 400 Koblenzer Bürger tragen die Tradition des Casino zu Coblenz heute weiter.